Rin Yamashita

Aus Orthodoxia Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rin Yamashita war die erste Ikonographin der frühen Japanisch-Orthodoxen Kirche unter Nikolaj Kassatkin (später Nikolaj von Japan).

von Stefan Barjaktarevic

Leben

Frühe Jahre

Yamashita wurde am 22. Mai 1857 in Kasama, Japan, in einer Samuraifamilie geboren. Ihr Vater starb als sie noch ein Kind war und dadurch geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Im Alter von 16 Jahren verlies sie ihr Elternhaus und ging in Tokyo bei einem Künstler in die Lehre. Drei Jahre später, 1877, schrieb sie sich in die neubegründete „Fachschule der bildenden Künste“ (Kōbu bijutsu gakkō) ein. Die Gebühren dafür zahlte ein Großgrundbesitzer, für den ihr Vater zu Lebzeiten arbeitete.

Studium in Tokyo

Auf der Fachschule der bildenden Künste unterrichtete der Künstler Antonio Fontanesi, der zu den sogenannten „Kontraktausländern“ gehörte, die nach Japan berufen wurde, um die Modernisierung des Landes zu fördern. Von ihm lernte Yamashita die europäische Kunstgeschichte, sowie westliche Techniken kennen, wie die Ölmalerei oder das Zeichnen mit Kreide und Bleistift.

1878 lernte sie durch eine Kommilitonin Bischof Nikolaj Kassatkin kennen. Sie interessierte sich zunehmend für den orthodoxen Glauben und ließ sich noch im selben Jahr auf den Namen Irina (Irene) taufen. Bischof Nikolaj, der Yamashitas Talent erkannte, bot ihr an, in St. Petersburg die Kunst der Ikonographie zu erlernen. 1880 musste Antonio Fontaneli aufgrund einer Krankheit von der Lehre zurückgetreten. Nach seiner Rückreise nach Italien, sah Yamashita kein Grund mehr auf der Fachschule zu bleiben und ging Nikolajs Vorschlag nach und reiste nach St. Petersburg.

Studium in St. Petersburg

In St. Petersburg lernte Yamashita zwar die byzantinische Ikonographiekennen, jedoch bevorzugte sie den westlichen Stil. In ihrem Tagebuch erklärt sie, die nach byzantinischer Tradition gezeichneten Heiligen sähen aus wie „Geister“ und sie bevorzuge daher die italienische Kunst. Sie widmete sich dennoch dem tieferen Studium der Ikonographie und auch der Byzantinistik, um italienische Malerei mit der byzantinischer Bildsprache, die sie trotz allem schätzte, zu verknüpfen.

1883 kehrte sie nach Tokyo zurück, wo sie ein Ikonenstudio eröffnete und in den darauffolgenden Jahren eine Vielzahl an Ikonen und andere religiöse Kunstwerke erzeugte. Sie erlangte großes Ansehen in der orthodoxen Gemeinschaft, sowohl in Japan als auch in Russland. Ein große Anerkennung wurde ihr Zuteil, als 1891 eine ihrer Marienikonen von der japanischen Kirche an den Zaren Nikolaus II. als Geschenk überreicht wurde. 1918 setzte sie sich zur Ruhe und kehrte in ihr Geburtsort Kasama zurück, wo sie am 26. Januar 1939 im Alter von 81 Jahren starb.

Heute gibt es etwa 300 Ikonen in rund 40 Kirchen in Japan, die man Rin Yamashita zuordnen kann.