Oikonomia

Aus Orthodoxia Lexikon
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Die Oikonomia (von gr. oikonomia: Verwaltung des Hauses) ist ein besonderes Phänomen der Orthodoxen Kirche. Sie ist ein dynamisches System aus pastoralen und kirchenrechtlichen Prinzipien und versucht Norm und Lebenswelt zu vereinen. Die Orthodoxe Kirche hat nicht versucht den Begriff der Oikonomia klar zu definieren, um das Prinzip nicht zu beschränken.

von Alexander Radej

Theologische und Ekklesiologische Deutung

Das Prinzip der Oikonomia verbindet Kirchliches und Göttliches. Das Göttliche kommt durch die Geschichte in die Welt und erhebt das Kirchliche oder auch den Menschen zu Gott herauf. Somit kann das kirchliche Handeln das göttliche Handeln repräsentieren. Die Oikonomia ist die Barmherzigkeit Gottes, welches sich durch sein Herabkommen in der Kirche repräsentiert. Die Barmherzigkeit ist dabei das Entgegenkommen der Kirche gegenüber dem Menschen. Nach dem Sündenfall soll der Mensch nicht in der Sünde leben, sondern die Kirche soll dem Sünder beim Austritt aus der Sünde helfen.

Entgegen steht das Prinzip der Akribeia, welche die strikte Einhaltung der Kanones besagt und dies zum Heil des Menschen führt. Beide Wege, die Oikomia, sowie als auch die Akribeia führen zum Heil.

Praxis

Der Bischof gilt als Vollzugsbemächtigter der Oikonomia. Er kann die rechtlichen Problematiken auflösen, indem er, gemäß der göttlichen Gnade, handelt. Dabei gibt es entscheidende Kriterien für die Anwendung der Oiknomia.

  • Die Kirche hat das Interesse jeden Menschen in das Heil zu führen.
  • Aus der Anwendung der Oikonomia muss sich ein größerer geistiger Nutzen entwickeln.
  • Ärgernisse sollen durch die Oikonomia verhindert oder aufgehoben werden.

Wichtige Bereiche, in der die Oikonomia angewendet wird, sind:

  1. Anerkennung der Sakramente anderer Konfessionen
  2. Ökumene
  3. Intercommunio
  4. Dogmatische Lehren
  5. Gottesdienst
  6. Kirchliche Verwaltung