Heiliger Berg Athos

Aus Orthodoxia Lexikon
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Der Heilige Berg Athos ist eine Mönchsrepublik in Griechenland. Der Berg der Insel ist 2033 m hoch. Zwanzig Klöster (17 griechische, 1 russisches, 1 bulgarisches, 1 serbisches) und zwölf weitere Skiten werden von knapp 2000 Mönchen bewohnt. Seit 1988 gilt der Athos als Weltkulturerbe. Die Klöster sind auf zwei Weisen organisiert: Entweder durch Idiorhythmie (Ältestenrat) oder Koinobitentum (Abt).

von Alexander Radej

Geschichte

In vorchristlicher Zeit befindete sich auf dem Berg Athos ein Zeustempel. Ebenso empfiehl ein Architekt Alexander des Großen den Berg zu einer riesigen Statue Alexanders umzugestalten. Das lehnte er aber ab. Anfangs war der Athos von vielen kleinen Dörfern besiedelt, welche jedoch im Laufe der Zeit verlassen wurden.

  • Vor dem Jahr 963 lebten Eremiten nach den ägyptischen Vorbild auf dem Athos.
  • Im Jahr 963 wurde das erste Kloster unter Athanasios dem Athoniten gegründet. Durch gute Kontakte zum byzantinische Kaiser, Nikephoros Phokas, erhielt der Mönch Geld für die Erbauung des Klosters. Bis dato lebten mehrere hunderte von Eremiten auf dem Athos.
  • 972 wurde das erste Grundgesetz des Athos, der sogenannte "Tragos" eingeführt. Dieser schrieb jährliche Versammlungen unter Leitung also Protos vor. Ebenso hatten keine weiblichen Wesen Zugang zum Athos.
  • 1045 wurde der Berg Athos das erste Mal als "Heiliger Berg Athos" in Quellen erwähnt.
  • Im Jahre 1204 plünderten die Kreuzritter des vierten Kreuzzuges die Mönchsrepublik.
  • Im 15. Jahrhundert stifteten russische Zaren Klöster. Ab hier beginnt die sogenannte "Russifizierung" des Athos.
  • 1424 - 1912 stand Byzanz mit dem Athos unter türkischer Herrschaft. Dabei kam es immer wieder zu Plünderungen, obwohl Sultan Murad II. der Mönchsrepublik Autonomie gewährte.
  • In der Wende zum 20. Jahrhundert wurde der "Imyaslawie-Streit" auf dem Athos und in der restlichen Orthodoxen Welt ausgefochten. Dieser trug maßgeblich zum Zusammenbruch und Enteignung der russischen Klöster bei. Die verlassenen Klöster wurden von griechischen Mönchen besetzt, da die russischen Mönche gegen den Hl. Synod verstießen und die Istanbuler Regierung über 1000 Mönche nach Russland deportierte.
  • Zweiter Weltkrieg: Die autonome Mönchsrepublik Athos richtete die Bitte an Hitler um Protektion aus Angst vor der Zerstörung des Athos durch deutsche Soldaten.

Legende

Der Name Athos stammt aus einer Legende: Der Gigant Athos soll einen Stein in das Meer geworfen haben. Dadurch entstand der Berg und die Insel Athos.

Laut den Geschichten der Mönche soll die Muttergottes auf der Insel Athos gestrandet sein. Als die Jünger ihre Missionsgebiete auslosten, warf Maria mit ihnen das Los. Sie erhielt das Gebiet Georgien und Athos. Der Engel Gabriel erschien ihr aber im Schlaf, welcher ihr auftrug in Jerusalem zu bleiben, was sie auch tat. Als sich Lazarus bei ihr meldete und um einen Besuch bat, reiste sie mit dem Schiff gen Zypern. Jedoch wurde ihr Schiff durch einen schweren Sturm in Richtung Athos getrieben, wo sie an Land ging. Im Hafen von Clementos, wo das heutige Kloster Iwiron steht, kamen sie am Hafen an. Eine Stimme befahl den Menschen zum Hafen zu eilen und die Gottesmutter zu verehren. Die Ankömmlinge mit der Gottesmutter tauften die Menschen der Stadt. Dahingehend bat die Gottesmutter, dass Gott ihr diese Insel schenken sollte. Eine Stimme ertönte abermals und ihr Sohn schenkte ihr die Insel. Die Geschichte diente der Vorbereitung für das geistliche Leben auf der Insel. Konstantin der Große baute 3 große Kirchen (Iwiron, Watopädi, Karyäs).

Peter dem Athoniten erschien die Muttergottes, damit er auf dem Athos eine Einsiedelei gründete und die Insel bevölkerte. Im Laufe seiner Lebens kämpfte er auf dem Athos gegen wilde Tiere und den Teufel und worde somit auf das geistige Leben vorbereitet.

Ebenso gilt der Berg als Zeugnis der biblischen Geschichten:

  • Der Teufel soll Christus auf den Berg Athos gebracht haben und ihm angeboten haben die Welt zu teilen. Christus lehnte ab.
  • Auf dem Berg Athos soll die Verklärung stattgefunden haben. Deshalb wird am 8. August die Nachtwache zum Fest der Transfiguration auf dem Berg Athos gefeiert.

Auf dem Berg befindet sich die Maria Himmelfahrts Kapelle. Das Kloster und der Berg gehören der Kloster Lawra.

Tagesablauf

Zeitrechnung

Auf dem Athos herrscht die byzantinische Zeitrechnung. Mit dem Sonnenuntergang beginnt der neue Tag und wird "erste Stunde" genannt.

Spiritualität

Die erste liturgische Handlung findet zur ersten Stunde statt. Es beginnt mit dem Orthros, darauf folgt das Abendsmahlgebet zur Vorbereitung. Als letztes wird die Göttliche Liturgie gefeiert. Werktags unterscheiden sich die liturgischen Handlungen. Es beginnt mit dem Orthros, geht zu den Gebeten der dritten und sechsten Stunde über, vorauf die Litrugie folgt. Dann wird die Vesper gefeiert. Das Komplet, der Muttergotteskanon und der Bittkanon schließen an. Zwischen den Gebetszeiten findet das gemeinsame Essen und Arbeiten statt.

Die Mönche leben nach dem Hesychasmus einer besonderen Form der Askese. Diese Form hat zum Ziel den sterblichen Leib und die irdischen Leidenschaften abzutöten. Sie leben im Armut, Keuschheit und Gehorsam.

Das spezielle Ziel des Athos ist die Abwehr von Weltlichkeit. Besonders die westliche Lebensweise wird abgelehnt, es findet ein Kampf gegen den Westen statt. Häufiger werden westliche Themen angesprochen und kritisiert. Beispielsweise wird die moderne Psychologie abgelehnt, da dem Westen vorgeworfen wird, die Menschliche Seele nicht zu verstehen.

Essen und Arbeit

Nach der Liturgie gehen alle Mönche geschlossen in einem Prozessionszug in den Speisesaal. Mönche die an dem jeweiligen Tag als Köche eingeplant sind, besuchen nicht die Liturgie, sondern bereiten das Essen im Vorfeld zu und tischen auf. Während des Essens wird die Heilige Schrift zitiert oder Geschichten der Altväter vorgelesen. Der Abt ergänzt ggf. die Geschichten der Heiligen oder Deutet die Zitate der Heiligen Schrift.

Nach dem Essen gehen die Mönche gewöhnlichen Arbeiten nach, als Winzer, Zimmermänner, Tischler, Gärtner, etc. Ebenso ist die Weihrauchherstellung oder Liturgischen Gegenständen von großer Bedeutung. Aufgrund des guten Holzes des Athos und der Herstellung der Gegenstände in spezieller ritueller Reinheit, erfreut sich das Handwerk der Mönche großer Beliebtheit.

Avaton-Regel

Die Avaton-Regel besagt, dass keine Frau den Berg Athos betreten darf. Diese Regel soll die Gottesmutter selbst eingeführt haben.

„Die Athoniten verwehren den Frauen den Zutritt zum Heiligen Berg, weil sie die Frauen wahrhaft lieben. Alle Frauen sind auf dem Athos abwesend, und doch wieder, durch die Gottesmutter, Maria, sind alle anwesend.“ – Pater Mitrophan

Die Regel wurde nach und nach ausgearbeitet. Im 11. Jahrhundert wurde lediglich der Zutritt weiblichen Tieren und Eunuchen verboten. Erst im Jahr 1924 wurde mit dem Artikel 186 der Zutritt für Frauen gänzlich verboten und im griechischen Grundgesetz verankert. Die EU bestätigten diese Regel im Jahr 1997. Historische Untersuchungen ergeben jedoch, dass Frauen immer wieder der Zutritt auf die Mönchsrepublik erlaubt wurde, besonders zur Zeitung von Verfolgung gewährten die Mönche den Frauen Assyl.