Die neun Heiligen

Aus Orthodoxia Lexikon
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Die neun Heiligen sind eine Gruppe Mönche, denen ein großer Teil der Christianisierung Äthiopiens im 5. jahrhundert zugesprochen wird. Sie kamen aus Ostrom, Kleinasien und dem mittleren Osten. Aufgrund der Verfolgung des Miaphysitismus nach dem Konzils von Chalcedon, zogen sie nach Äthiopien und verbreiteten dort ihren Glauben unter der Bevölkerung. Über Ihr Leben und Wirken ist nur wenig bekannt und Gegenstand vieler Mythen und Legenden.

von Stefan Barjaktarevic

Kurzviten

Abba Afse

War vermutlich Syrer aus Edessa. Er reiste nach Rom, wo er Abba Gärima kennenlernte und ihn auf seiner Mission nach Äthiopien begleitete. Unter der Schirmherrschaft von König Kaleb von Axum, errichtete er eine kleine Kirche im Dorf Baray. Er starb im hohen Alter und ernennte einen gewissen Qozmoz zu seinem Nachfolger. Sein Gedenktag ist der 5. Juni.

Abba Alef

Stammt aus Caesarea, Israel. Gründete in Äthiopien einige Klöster und ernannte Abba Os, der ebenfalls aus Caesarea kam, zu seinem Nachfolger. Gedenktag des Heiligen Alef ist der 20. März.

Abba Gärima

Abba Gärima, oder auch Abba Yeshaq genannt, war Sohn einer byzantinischen Adelsfamilie. Seine Eltern sollen unfruchtbar gewesen sein und erst durch die Fürbitte der Gottesmutter wurde eine Schwangerschaft ermöglicht. Im Alter von 12 Jahren begann Gärima eine theologische Ausbildung. Nach dem Tod seines Vaters, übernahm er für einige Jahre sein Amt, bis er Abba Päntälewon begegnete und seiner Gemeinschaft beitrat. Er begleitete ihn 5 Jahre lang auf seiner Mission in Äthiopien, zog dann alleine nach Mädära und gründete dort ein Kloster. Er wurde als Wohl- und Wundertäter bekannt. Sein Todestag, der 24. Juni, ist sein Gedenktag.

Abba Guba

Er kam angeblich aus Kilikien, Kleinasien und gehörte Abba Päntälewons Gemeinschaft an. Nach einiger Zeit zog er in die Wüste und verschwand. Er wird zusammen mit Abba Afse am 5. Juni gefeiert.

Abba Libanos

Aus dem byzantinischen Adel stammend, wurde er Mönch unter Pachomius (348), der ihn nach Äthiopien sandte. Dort übersetzte er das Matthäusevangelium ins Ge'ez. Er kritisierte die Korruption im Land, woraufhin er sich in die Wüste zurückziehen musste. Er kehrte erst zurück, nachdem der Herrscher seine Fehler eingestand. Sein Gedenktag ist der 11. Januar.

Abba Päntälewon

Laut kirchlicher Tradition wurde er schon als Kind ins Kloster geschickt. Zusammen mit Abba Za-Mikael Arägawi, mit dem er das miaphysitische Bekenntnis teilte, soll er nach den Beschlüssen von Chalcedon (451) nach Äthiopien geflohen sein. Nachdem sie einige Zeit miteinander verbrachten, trennten sich ihre Wege. Abba Päntelewon errichtete sich eine Zelle auf einem Hügel namens Bet Qatin, nahe Aksum. Dort lebte und betete er 45 jahre lang, wirkte Wunder und heilte Krankheiten. Das Synaxarion nennt ihn als den Mönch, dem sich König Kaleb nach seinr Abdankung als Schüler anschloss.

Abba Sehma

Wenig ist über ihn bekannt, außer dass er aus Antiochien als Einsiedler nach Äthiopien kam. Ein Kloster auf dem Berg Dimbela ist ihm geweiht. Sein Gedenktag ist der 24. Januar.

Abba Yemata

Stammt aus einem Ort namens Qusyat, vermutlich Ägypten, und hat ein Kloster in Inderta begründet. Sein Gedenktag ist der 2. November.

Abba Za-Mikael Arägawi

Im Alter von 14 Jahren wurde er Mönch und Schüler von Pachomius, der ihm auch dem Namen Za-Mikael gab. Obwohl er als Miaphysit verfolgungen ausgesetzt war, wanderte er als Prediger umher. Sein Ruhm zog auch die anderen 8 Heiligen an, die daraufhin mit ihm viele Jahre in Äthiopien zusammen lebten. Auch eine Nonne namens Edna schloss sich ihm an. Nach Pachomius' Tod, kehrte Za-Mikael für einige Zeit zurück nach Rom und als er wieder nach Aksum kam, fand er das Land christianisiert vor. Er versammelte seine Gefährten und sie lebten zusammen unter dem Schutz des Königs Ella-Ameda II und seinem Nachfolger Tazén. Sie lebten insgesamt 12 Jahre lang am königlichen Hof, bis sie sich im sechsten Jahr der Herrschaft von Tazén wieder trennten und jeder seinen eigenen Weg ging. Za-Mikael, Edna und Mattewos, ein weiterer Schüler, zogen nach Eggala, Nordäthiopien. Dort gründeten sie ein Kloster auf dem Hügel Damo. Zunächst schloss sich ihnen ein Mönch namens Petros an und später folgten andere und es entstand eine große Mönchgemeinschaft um Abba Za-Mikael. Er verstarb am 24. Oktober und ernannte Mattewos zu seinem Nachfolger.

Pilgerorte

Die Klöster, die sich auf die neun Heiligen berufen sind heute wichtige Pilgerorte. Vor allem das Kloster Däbrä Damo (Hügel Damo), dessen Zugang mit einem Seil erklommen werden muss, gehört heute zu den wichtigsten Klöstern Äthiopiens und wird regelmäßig von Touristen und Pilgern besucht.