Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche

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Äthiopische Gläubige

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist eine der orientalisch-Orthodoxen Kirchen.

Sie war Teil der Koptisch-Orthodoxen Kirche bis ihnen 1959 der koptische Papst Kirellos VI die Autokephalie gewährte. Sie ist mit etwa 38 Millionen Mitgliedern die größte orientalische Kirche und ist nach der Russisch-Orthodoxen Kirche die größte Ostkirche. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Weltkirchenrates. Der Namenszusatz „Tewahedo“ entstand als Reaktion zu den Beschlüssen des Konzils von Chalcedon, die zur Trennung der orientalischen und byzantinischen Kirchen führten.

von Stefan Barjaktarevic

Ursprung

Die Äthiopische Kirche ist die einzige vorkoloniale christliche Kirche des Subsaharischen Afrikas. Laut der kirchlichen Tradition hat schon der Kämmerer aus Äthiopien (Apg. 8:26-39) den christlichen Glauben in sein Heimatland eingeführt. Historisch nachweisbar ist zumindest, dass der syrische Mönch Frumentius die Kirche gründete und nach einem synodalen Beschluss 328 zum ersten Bischof Äthiopiens geweiht wurde. Der christliche Glaube war in Äthiopien zunächst nur in den oberen Gesellschaftsschichten zu finden. Die Missionsarbeit der sogenannten „neun Heiligen“ im 5 Jahrhundert verbreiteten den Glauben vermehrt unter dem einfachen Volk. Sie führten das monastische Leben ein, übersetzten die Bibel und liturgische Literatur und etablierten den Miaphysitismus.

Liturgische Besonderheiten

Die äthiopische Bibel beinhaltet 77 Bücher und ist somit der Umfangreichste Bibelkanon des Christentums. Diese wurde von den „neun Heiligen“ in die Sprache Ge'ez übersetzt, welche bis heute liturgische Sprache ist. Laut kirchlicher Tradition befindet sich die Bundeslade des Exodus' in der Kirche St. Maria von Zion. Zweifel an dieser Behauptung kommen aufgrund der Tatsache auf, dass niemand die Bundeslade sehen darf. Nur ein einziger Mönch, der als Wächter dient, darf sie sehen. Eine Äthiopisch-Orthodoxe Kirche wird zudem nur als solche anerkannt, wenn sie das „Tabot“, ein Replika der Tafeln mit den 10 Geboten, beinhaltet. Das Tabot wird zu Prozession aus der Kirche getragen.

Der Begriff „Tewahedo“

Der Altäthiopische-Begriff „Tewahedo“ bezeichnet „Einheit“ oder „Gesamtheit, Universalität“ (vgl. „katholisch“). Es bezeichnet die Universalität der Kirche und des Glaubens. Andererseits bezeichnet „Tewahedo“ die Einheit der zwei Naturen Christi im Miaphysitismus. Die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche nutzt ebenfalls diesen Namenszusatz.

Zuordnung

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche gehört zu den orientalisch-Orthodoxen Kirchen, die sich nach dem Konzil von Chalcedon von den byzantinischen Kirchen getrennt haben. Sie steht mit der koptischen, syrischen, armenischen und indischen Kirche in der „communio“. Das repressive „Derg“-Regime von 1974 bis 1987 hatte großen Einfluss auf das Patriarchat und hinterließ nach 1987 Uneinigkeit darüber, wer der rechtmäßige Patriarch der Äthiopischen Kirche ist. Das spaltet die Äthiopische Gemeinschaft in verschiedene Lager, wobei nur Patriarch Matthias von den anderen orientalischen Kirchen anerkannt wird.

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